Dienstag, 11. Juni 2013

Ist Gelingen Glückssache?

Ein weiterer Fund aus Prados Buch:
Wenn wir verstanden haben, dass es bei aller Anstrengung doch reine Glückssache ist, ob uns etwas gelingt oder nicht; wenn wir also verstanden haben, dass wir in allem Tun und Erleben Treibsand sind vor uns selbst und für uns selbst: Was geschieht dann mit all den vertrauten und gepriesenen Empfindungen wie Stolz, Zerknirschung und Scham?“
Wenn man mit der Idee einverstanden ist, dass Gelingen „reine Glückssache“ ist, dann haben die erwähnten Empfindungen von der Logik her effektiv keinen Platz mehr in unserem Gefühlsrepertoire. Und doch können wir Scham empfinden, können zerknirscht oder stolz sein. Ergo müssten zumindest diese drei Empfindungen anerzogen worden sein; wir würden als nicht nur Dummheit lernen (wie Jürg Jegge 1980 in einem damals fulminanten Buch aufgezeigt hat), sondern auch Scham, Stolz und Zerknirschung. Gefühle: Ein soziales Konstrukt?

Die Psychiatrie unterscheidet tatsächlich zwischen Grundgefühlen (wie Angst, Freude, Wut) und sozial anerzogenen Gefühlen (wie Schuld und Scham). Auch hier lässt das Buch im Buch – Prados Text – nicht nur Gregorius und seinen aktuellen Gastgeber Silveira, sondern auch uns Leserinnen und Leser einmal mehr nachdenklich werden. Wie schon bei früheren Gelegenheiten und anderen Textstellen gesehen, erweist sich Amadeu Prados kleines Buch als eigentliches philosophisches Werk, das sowohl Gregorius Mundus als auch uns anderen den Spiegel vorhält: Reflektieren ist angesagt!

Und was geschieht - angenommen, Prado habe recht - mit der Selektions-Relevanz der Leistungsmessungen in der Schule?

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