Sonntag, 7. April 2013

Das Zufällige und das Zwangsläufige

Mundus ist unterwegs nach Lissabon. Kurz vor Paris fragt er sich beim Nachdenken über das, was ihm geschehen ist und geschieht, ob es zwei Arten von Wirklichkeit gibt:

  • Die Wirklichkeit als eine Möglichkeit, die sich zufällig verwirklicht hat
  • Die Wirklichkeit, "die nichts mit blosser Möglichkeit zu tun hatte und auch nicht mit verwirklichter Möglichkeit, die vielmehr einfache und und pure Wirklichkeit war, angefüllt mit der Dichte und überwältigenden Zwangsläufigkeit, die etwas auszeichnete, das ganz und gar wirklich war."
Raimund Gregorius unterscheidet also das sich zufällig verwirklichende vom zwangsläufig eintretenden Ereignis, die eher oberflächlich gefügte von der verdichteten Wirklichkeit, und er weiss, dass das, was ihm geschehen ist und geschieht, ihn mit einem Schlag im Tiefstinneren verwandelt hat. So, als ob er erweckt worden wäre: "Es war eine andere, neue Art von Wachheit, eine neue Art, in der Welt zu sein".

Vielleicht ist es so, dass nur, wer in seinem Kern angerufen und berührt wird, sich zu verwirklichen vermag und auf diese Weise die personifizierte Antwort darstellt auf die Frage, die Prado in seinem Buch aufwirft: 
"Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist - was geschieht mit dem Rest?"
Individuation im Sinne C. G. Jungs, wo es darum geht, "ganz" zu werden und möglichst alle seelischen Anteile zu beleben? 
Oder hat das Schicksal eingegriffen, so dass Mundus den Eindruck hat, es sei "der Zug und nicht er, der darüber entschied, dass diese Reise ... weiterging"?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.